Ist die Bibel das Wort Gottes?

Spricht Gott zu uns? Viele Christen würden diese Frage bejahen und antworten, dass Gott zu uns über die Bibel spricht. Die Bibel ist demnach Gottes Wort, das Christen leitet und ihnen zeigt, wer Gott ist. Ohne die Bibel würden wir über den christlichen Gott sehr wenig wissen und selbst Christen, die die Bibel nicht als das Wort Gottes ansehen, entnehmen ihre Glaubensinhalte aus diesem Buch. Es ist also nicht übertrieben festzustellen, dass die Bibel eine entscheidende Stelle im Glaubensleben eines Christen einnimmt. Wenn die Bibel wirklich das Wort Gottes ist, ist sie das wichtigste Buch und sollte von jedem Menschen gelesen und studiert werden. Schließlich sollten wir wissen, was unser Schöpfer von uns erwartet und wer er überhaupt ist. Doch bevor wir überstürzt dieser Behauptung Glauben schenken, sollten wir sie überprüfen und die Frage stellen: Ist die Bibel überhaupt Gottes Wort?

Die im Folgenden aufgeführten Zitate stammen aus der Schlachter (Revision 2000), der Elberfelder (Revision 2006) und der Lutherbibel (Revision 2017).

Was ist das “Wort Gottes”?

Bevor wir die Frage beantworten können, ob die Bibel das Wort Gottes ist, müssen wir definieren, was dieser Begriff überhaupt bedeutet soll. Leider – wie so oft – hat auch dieser Begriff, der vor allem gerne in freikirlichen und evangelikalen Kreisen benutzt wird, selbst unter Christen keine eindeutige Definition und wird von diesen unterschiedlich ausgelegt und verstanden. Im folgenden Beitrag soll dieser Begriff wörtlich genommen werden.

So definiert die – vor allem unter den Evangelikalen beliebte Bibel – “Schlachter 2000” diesen Begriff folgendermaßen:

  • Gott redet zu uns in Worten, die er seinen heiligen Propheten, den Verkündern seiner Offenbarung, in den Mund gelegt und zur Niederschrift übergeben hat. Jeder Schreiber einer biblischen Schrift, von Mose bis Johannes, ist in diesem Sinne ein Prophet. Das Wort der alttestamentlichen Propheten und der Apostel und Propheten des Neuen Testamentes ist nicht fehlbares Menschenwort, sondern heiliges Gotteswort, von Gott durch seinen heiligen Geist geredet, vollkommen und ohne jeden Irrtum, von göttlicher Kraft und Wahrheit. So bezeugt es die Heilige Schrift selbst: ‘Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist- Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet’ (2. Petrus 1,20-21). ‘Alle Schrift ist von Gott eingegeben’ (2. Timotheus 3,16)” (Die Bibel. Übersetzt von Franz Eugen Schlachter nach dem hebräischen und griechischen Grundtext mit Parallelstellen und Studienhilfen, 5. Auflage 2016, S. VI)

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Schriften der Bibel – basierend auf der Definition der “Schlachter 2000” – Gottes Wort sind, das den Schreibern von Gott direkt zur Niederschrift eingegeben wurde. Somit stammen die Sätze und Wörter, die wir in der Bibel lesen, nicht von Menschen, sondern von Gott persönlich, der sie dem Menschen durch den Heiligen Geist überliefert bzw. diktiert hat. Ausgehend von dieser Definition, wollen wir uns nun der eigentlichen Frage zuwenden: Ist die Bibel das Wort Gottes?

Sind alle Bibeln gleich?

Es gibt viele verschiedene Bibelübersetzungen, die sich in der Sprache unterscheiden. Diese sprachlichen Unterschiede sind natürlich auf den Anspruch der jeweiligen Bibelübersetzung zurückzuführen. So benutzen einige Bibeln eine moderne Sprache, damit die Inhalte für ein breites Publikum leicht verständlich und zugänglich sind. Andere Bibeln versuchen die deutsche Übersetzung nah am hebräischen, aramäischen oder griechischen Original zu halten, sodass ihre Sprache oft schwer verständlich und unzugänglich ist. Besonders solche Bibeln bedienen sich oft einer altertümlichen Sprache, die das Verständnis noch weiter erschwert. Nichtsdestotrotz bedeuten diese sprachlichen Unterschiede nicht, dass die Bibel nicht das Wort Gottes ist. Schließlich können verschiedene Schreibstile den selben Sinngehalt bzw. die selbe Aussage enthalten.

Ein weiterer Unterschied liegt im sogenannten “Grundtext”. Doch bevor wir uns mit diesem Unterschied beschäftigen, muss kurz auf den Begriff “Grundtext” eingegangen werden. So ist dieser Begriff – meiner Auffassung nach – sehr problematisch, weil er sehr leicht missverstanden werden kann. Beim Grundtext handelt es sich nämlich nicht um den originalen Bibeltext, der übersetzt wurde. Vielmehr besteht der Grundtext aus sehr vielen Handschriften bzw. Manuskripten, die sich manchmal sehr ähnlich sind oder sich manchmal sehr unterscheiden. Hierbei beinhaltet der Grundtext mehrere Manuskripte zu einer Bibelpassage. So hat das Markusevangelium viele verschiedene Manuskripte, die manchmal vollständig sind oder auch nicht. Diese verschiedenen Manuskripte werden gesammelt. Die eben beschriebene Sammlung an Manuskripten nennt man “Grundtext”, auf dem die Übersetzung, die wir lesen, beruht. Jedoch gibt es keinen einheitlichen Grundtext, auf dem alle Bibelübersetzungen fundieren. So haben das Alte und das Neue Testament verschiedene Grundtexte, weil sie in verschiedenen Sprachen verfasst worden sind. Ferner haben die beiden Testamente auch intern – wie eben am Beispiel vom Markusevangelium dargelegt – noch einmal verschiedene Grundtexte. Da es in diesem Beitrag vor allem um das Neue Testament gehen soll, wird im Folgenden kurz auf die verschiedenen Grundtexte des Neuen Testaments eingegangen. Hierbei werden zwei Grundtexte hervorgehoben, die das Fundament für die meisten berühmten und viel gelesenen Bibeln sind.

  1. Der Textus Receptus: Dieser Grundtext bildete das Fundament für die Urväter der Reformation wie u.a. Luther und Calvin. So war z.B. der Textus Receptus die Textgrundlage für Luthers Bibelübersetzung. Ferner basiert er auf relativ jungen Manuskripten. Neue Forschungsergebnisse und ältere Manuskripte, die in den letzten Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten gefunden wurden, werden vom Textus Receptus nicht berücksichtigt. In der Forschung wird der Textus Receptus nicht mehr verwendet. Sogar die Lutherbibel, die ursprünglich den Textus Receptus als Grundlage hatte, verwendet seit ihrer Revision von 1984 nicht mehr den Textus Receptus, sondern den Nestle-Aland-Grundtext.
  2. Das Novum Testamentum Graece (Nestle-Aland): Dieser Grundtext ist textkritisch und wird sowohl in der Forschung als auch in sehr vielen modernen Bibelübersetzungen verwendet. Bis heute wird dieser Grundtext aktualisiert. Dabei werden auch neue Forschungsergebnisse einbezogen. Diese beinhalten neu gefundene Manuskripte, die teilweise älter sind, als die, die im Textus Receptus verwendet werden.

Die Unterschiede, die aus den verschiedenen Grundtexten resultieren, sind – im Gegensatz zu den oben erwähnten stilistischen Abweichungen – sehr relevant. So fehlen in einigen Bibelübersetzungen ganze Sätze bzw. Verse, die in anderen wiederum vorhanden sind. Ferner unterscheidet sich aufgrund der verschiedenen Grundtexte auch der Sinngehalt einiger Passagen. Diese Unterschiede sind für die Frage, ob die Bibel das Wort Gottes ist, von entscheidender Bedeutung. So ergeben sich, wenn die Definition zum “Wort Gottes” aus der Schlachterbibel, die ich oben zitiert habe, herangeführt wird, Probleme. Denn dort heißt es, dass Gott die Worte den Propheten in den Mund gelegt und zur Niederschrift übergeben habe und so sei die Bibel kein fehlbares Menschenwort, sondern das perfekte und heilige Wort Gottes. Daraus folgt, dass das Wort Gottes sich nicht unterscheiden kann: Entweder Gott hat das eine oder das andere gesagt. Doch die folgenden Bibelpassagen zeigen, dass sich Bibelübersetzungen unterscheiden, weil die Manuskripte und somit die Grundtexte sich unterscheiden.

Die Trinitätspassage (1. Johannes 5,7-8)

Schlachter ElberfelderLutherbibel
Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins; und drei sind es, die Zeugnis ablegen auf der Erde: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei stimmen überein.Denn es sind drei, die es bezeugen: der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei sind einstimmig.Denn drei sind, die das bezeugen: der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei stimmen überein.

Dies ist für viele Christen, die an die Trinität glauben, eine Schlüsselpassage. So ist es – zumindest nach der Lesart des Textus Receptus bzw. der Schlachter 2000 – die einzige Passage in der Bibel, die deutlich die Trinität offenbart: Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins […]” (V. 5,7-8)

Hingegen steht bei den meisten anderen modernen Bibelübersetzungen – wie der Elberfelder und der Lutherbibel – , die auf dem Novum Testamentum Graece (Nestle-Aland) basieren, lediglich, dass der Geist, das Wasser und das Blut Jesus Christus als Gottes Sohn bezeugen. Eine Trinität lässt sich demnach nicht mehr ableiten: Denn drei sind, die das bezeugen: der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei stimmen überein.” (V. 5,7-8) Die Aussage, dass es drei sind, die im Himmel Zeugnis ablegen, fehlt in diesen Bibeln komplett.

Natürlich lässt sich das Dogma der Trinität bei Bedarf aus anderen vereinzelten Passagen zusammensetzen, doch die einzige Passage, die ganz eindeutig diese Lehre bezeugt, ist in fast allen griechischen Manuskripten nicht vorhanden und die sehr wenigen Manuskripte, die die Passage enthalten, sind – laut dem christlichen Apologeten und Fundamentalisten James R. White (“The King James Only Controvery. Can You Trust Modern Tranlations?”, S. 102) – neu. Diese Passage fehlt also in den ältesten Manuskripten. Aus diesem Grund findet man sie in der Schlachterbibel, die sich vornehmlich auf neue Manuskripte stütz, und nicht in der Elberfelder, die auch die alten Manuskripte, einbezieht.

Wann sind Christen gerettet? (Apostelgeschichte 2,47)

Schlachter Elberfelder Lutherbibel
[...] sie lobten Gott und waren angesehen bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich die zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.[...] lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten.[...] und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Nach dem sogenannten Pfingstwunder und der anschließenden Petruspredigt steht in der Lutherbibel, dass die Christengemeinde in Jerusalem täglich wuchs und die neuen Gläubigen – sobald sie zum Glauben gefunden hatten und der Gemeinde beigetreten waren – gerettet wurden: “Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.” (V. 2,47) 

Auch in der Schlachter lesen wir, dass Gott der Gemeinde täglich neue Mitglieder gab und dass diese bei ihrem Eintritt in die Gemeinschaft der gläubigen Christen gerettet wurden: “Der Herr aber tat täglich die zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.” (V. 2,47)

Doch die Elberfelder weicht von dieser Übersetzung ab. So lesen wir in der Elberfelder ebenfalls, dass Gott der Christengemeinde neue Mitglieder zukommen lässt, doch die neuen Glaubensgeschwister sind – im Gegensatz zu dem, was wir in der Luther- und Schlachterbibel lesen – noch nicht gerettet: “Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten.” (V. 2,47)

Daraus ergeben sich theologische Probleme, die für jeden Christen, der an einen Himmel und eine Hölle glaubt, wichtig sind: Sind wir allein durch unseren Glauben gerettet oder müssen wir als Gläubige Werke vollbringen, um in den Himmel zu kommen? Können wir vom Glauben abfallen oder sind wir sofort nach unserer Bekehrung zum Christentum gerettet? Doch die eigentliche Frage, die gestellt werden sollte, ist, warum Gott bei so einem wichtigen und essentiellen Thema seinen Willen nicht deutlich und verständlich kommunizieren kann? Schließlich geht es hier – wenn wir nach der Theologie der strenggläubigen Fundamentalisten gehen – um die ewige Verdammnis, wo wir ewige Qualen leiden werden, und den ewigen Himmel, wo wir glücklich mit Gott leben werden.

Glaube, Gebet und Fasten (Matthäus 17, 20-21)

Schlachter Elberfelder Lutherbibel
Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Unglaubens willen! Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Berg sprechen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er würde sich hinwegheben; und nichts würde euch unmöglich sein. Aber diese Art fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten.Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein. Er aber sprach zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens. Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

In Matthäus 17,20-21 lassen sich zwei Ungereimtheiten finden – eine kleine und eine große. Beginnen wir mit der kleinen Ungereimtheit, um uns anschließend der großen zu widmen.

Unglaube vs. Kleinglaube (Matthäus 17,20-21)

Nachdem die Jünger Jesu es nicht schaffen, einen Dämon aus einen Jungen auszutreiben, fragen sie Jesus verwundert, warum sie gescheitert sind. Hierauf antwortet Jesus – wenn wir die Schlachterbibel lesen – folgendes: “Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Unglaubens willen! Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Berg sprechen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er würde sich hinwegheben; und nichts würde euch unmöglich sein.” (V. 17,20) Laut der Schlachter-Übersetzung ist der Grund für das Scheitern der Jünger ihr Unglaube. Hätten sie auch nur einen sehr kleinen Glauben, der so klein wie ein Senfkorn sei, würden sie den Dämon ausgetrieben haben.

Bei der Elberfelderbibel und Lutherbibel lesen wir, dass die Jünger sehr wohl geglaubt haben: “Er aber spricht zu ihnen:Wegen eures Kleinglaubens; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein.'” (V. 17,20-21) 

Während in der Schlachterbibel die Jünger gar nicht geglaubt haben, haben sie in der Elberfelder und in der Lutherbibel wenigstens einen Kleinglauben. Die Frage ist, ob sie nun geglaubt haben oder nicht? Denn ein Kleinglaube ist immer noch ein Glaube und schließt somit einen Unglauben aus: Entweder sie konnten den Dämon aufgrund ihres Unglaubens nicht austreiben oder aufgrund ihres Kleinglaubens.

Ferner ergibt die Übersetzung der Elberfelder- und Lutherbibel keinen Sinn, denn mit dem Senfkorn-Vergleich möchte Jesus deutlich machen, dass für die Austreibung von Dämonen kein großer Glaube benötigt werde. Doch gleichzeitig führt er den Kleinglauben als Grund für das Scheitern seiner Jünger an.

“Aber diese Art fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten” (Matthäus 17,21)

In Matthäus 17,21 erfahren wir aus der Schlachter 2000, dass diese Art von Dämon eine ganz besondere ist – sie kann nur durch Fasten und Gebet ausgetrieben werden: “Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Unglaubens willen! Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Berg sprechen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er würde sich hinwegheben; und nichts würde euch unmöglich sein. Aber diese Art fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten.” (V. 17,20-21)

In den modernen Elberfelder– und Lutherbibeln fehlt diese Passage komplett. Der 21. Vers lautet folgendermaßen: “[…] euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein.” (V. 17,20-21)

Ferner scheint es, dass “Aber diese Art fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten.” hinzugefügt wurde, weil die Sinnverbindung zu dem vorangehenden Vers nicht gegeben zu sein scheint. So sagt Jesus – laut der Schlachterbibel – in Matthäus 17,20, dass nur Glaube benötigt werde, um diesen Dämon auszutreiben, um dann im folgenden 21. Vers hinzuzufügen, dass Glaube allein doch nicht ausreiche, da nur Gebet und Fasten helfen würden.

Doch viel wichtiger ist die Tatsache, dass viele Christen sich auf die Worte Jesu verlassen und der festen Überzeugung sind, dass sie durch Fasten und Beten einen Unterschied machen können. Doch dieser grundlegende Satz ist eben in den neuen Bibeln nicht mehr vorhanden, weil er offensichtlich im Laufe der Zeit von Christen hinzugefügt wurde. Können sich Christen in diesem Fall wirklich auf die Worte Jesu verlassen? Lassen sich “Dämonen” vertreiben und Menschen durch Fasten und Beten heilen?

Die Gottheit Jesu (Judas 1,4)

Schlachter Elberfelder Lutherbibel
Es haben sich nämlich etliche Menschen unbemerkt eingeschlichen, die schon längst zu diesem Gericht aufgeschrieben worden sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Zügellosigkeit verkehren und Gott, den einzigen Herrscher, und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen.Denn gewisse Menschen haben sich heimlich eingeschlichen, die längst zu diesem Gericht vorher aufgezeichnet sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und den alleinigen Gebieter und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen.Denn es haben sich einige Menschen eingeschlichen, über die schon längst das Urteil geschrieben ist: Gottlose sind sie, verkehren die Gnade unseres Gottes ins Gegenteil, in Ausschweifung, und verleugnen unsern alleinigen Herrscher und Herrn Jesus Christus.

Ist Jesus Gott? Diese Frage spaltet die Christenheit seit Anbeginn dieser Religion. Heutzutage ist für viele Christen die Gottheit Jesu ein so wichtiges Fundament, dass sie anderen Gläubigen, die Jesus nicht als den wahren dreifaltigen Gott ansehen, das Christsein absprechen. Dabei ist die Bibel, die Gottes Wort sein soll, bei dieser wichtigen Frage sehr undeutlich. So z.b. im Judasbrief, wo von Menschen geschrieben wird, die in der Hölle schmoren werden, weil sie durch ihre Zügellosigkeit und Ausschweifung Gott bzw. Jesus verleugnen. So lesen wir in der Schlachterbibel folgende Passage: “Es haben sich nämlich etliche Menschen unbemerkt eingeschlichen, die schon längst zu diesem Gericht aufgeschrieben worden sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Zügellosigkeit verkehren und Gott, den einzigen Herrscher, und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen.” (V. 1,4)  Die Schlachter trennt Gott und Jesus. Die Menschen, von denen in dieser Passage die Rede ist, verleugnen verschiedene Personen: Auf der einen Seite verleugnen sie Gott, der der einzige Herrscher ist. Auf der anderen Seite verleugnen sie Jesus Christus, den Herren.

Ebenso scheint die Elberfelder Jesus von Gott zu trennen: “Denn gewisse Menschen haben sich heimlich eingeschlichen, die längst zu diesem Gericht vorher aufgezeichnet sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und den alleinigen Gebieter und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen.” (V. 1,4)

Die Lutherbibel trennt hingegen nicht zwischen Jesus und Gott. Laut ihr ist Jesus Gott bzw. der alleinige Herrscher und Herr: “Denn es haben sich einige Menschen eingeschlichen, über die schon längst das Urteil geschrieben ist: Gottlose sind sie, verkehren die Gnade unseres Gottes ins Gegenteil, in Ausschweifung, und verleugnen unsern alleinigen Herrscher und Herrn Jesus Christus.” (V. 1,4)

Ist Jesus nun der alleinige Gott? Das kommt ganz auf die Bibel an, die gelesen wird. Warum konnte sich Gott nicht deutlich ausdrücken und sich in seinem Buch so offenbaren, dass die Leser sich sicher sein können, wer dieser Gott ist? Die Gottheit Jesu ist für viele Christen das Fundament, auf dem ihrer Glaube aufbaut. Doch in Wahrheit ist das Wort Gottes überhaupt nicht deutlich. Es kommt vielmehr darauf an, welche Bibel gelesen wird.

Das Vaterunser (Matthäus 6,9-13)

SchlachterElberfelder Lutherbibel
Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten: Unser Vater, der du bist im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Gib uns heute unser tägliches Brot. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.Betet ihr nun so: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden! Unser tägliches Brot gib uns heute; und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben; und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen!Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

Sehr wichtig sind die Aussagen Jesu, denn er ist schließlich für christliche Gläubige die Schlüsselfigur, um die sich die Bibel dreht. Sind seine Aussagen gut überliefert? Kann man auf sie vertrauen? Hierfür sind zwei Bibelstellen (Matthäus 6, 9-13 und Lukas 11, 1-4) relevant.

Matthäus 6,9

Hierzu eignet sich ein wichtiges Gebet, dass jeder aktive und bibellesende Christ kennen sollte – das Vaterunser. Besonders interessant ist das Ende des Gebets. So lesen wir in der Schlachter: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.” (V. 6,13)

In der Elberfelderbibel ist das Ende um die Hälfte kürzer, denn das Ende vom Ende fehlt dort:  […] und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen!” (V. 6,13)

Die Lutherbibel klammert den umstrittenen Part ein und gibt damit zu verstehen, dass dieser wahrscheinlich nicht im originalen Manuskript vorhanden war: “Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]” (V. 6,13)

Lukas 11, 1-4

Schlachter Elberfelder Lutherbibel
Und es begab sich, dass er an einem Ort im Gebet war; und als er aufhörte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte! Da sprach er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme! Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden. Gib uns täglich unser nötiges Brot! Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der uns etwas schuldig ist! Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!Und es geschah, als er an einem Ort war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte! Er sprach aber zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; unser nötiges Brot gib uns täglich; und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist; und führe uns nicht in Versuchung.Und es begab sich, dass er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. Und führe uns nicht in Versuchung.

Auch die Version des Vaterunsers, die in Lukas 11 vorkommt, unterscheidet sich je nachdem welche Bibel gelesen wird.

Schlachter: “Und es begab sich, dass er an einem Ort im Gebet war; und als er aufhörte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte! Da sprach er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme! Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden. Gib uns täglich unser nötiges Brot! Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der uns etwas schuldig ist! Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!”

Elberfelder: “Und es geschah, als er an einem Ort war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte! Er sprach aber zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; unser nötiges Brot gib uns täglich; und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist; und führe uns nicht in Versuchung.”

Die Lutherbibel ist mit der Elberfelder nahezu identisch.

Wie hat Jesus das Vaterunser gebetet? Wie sollen wir das Vaterunser beten? Wir wissen es nicht. Dies sollte – immer wenn das Vaterunser in der Gemeinde gebetet wird – bedacht werden. Auch hier sollte die Frage gestellt werden, warum Jesus bzw. Gott es nicht für nötig erachtet hat, seine eigenen Worte genau zu überliefern und seinen Gläubigen ein genaues Gebet zu geben?

Fazit

Es ist nun an der Zeit zur eigentlichen Frage zurückzukommen und diese zu beantworten: Ist die Bibel das Wort Gottes? Nein. Aus den obigen Beispielen ergeben sich weitere Fragen und Probleme, die darauf schließen lassen, dass die Bibel nicht das eingehauchte Wort Gottes ist. So haben wir viele verschiedene Manuskripte, die sich unterscheiden. Welches Manuskript enthält denn nun das Wort Gottes? Alle können es nicht sein, da sie sich unterscheiden. Daraus ergibt sich die Frage, welche Bibel denn nun das Wort Gottes ist, da sich – aufgrund der unterschiedlichen Manuskripte – auch die Bibeln voneinander unterscheiden? Vielleicht hat Gott manchmal einige Sachen ausgelassen und/oder anders formuliert. Aber können wir Gott dann wirklich vertrauen? Warum sind seine Worte so ungenau und somit unzuverlässig? Nun könnten Christen einwenden, dass die Bibeln sich tatsächlich unterscheiden, aber das nicht weiter schlimm sei, weil der Sinngehalt der Passagen der gleiche ist. Die Unterschiede wären also nicht signifikant. Doch dies stimmt nicht. Die Passagen unterscheiden sich manchmal im Sinngehalt und die Unterschiede sind manchmal sehr wohl signifikant. So handelt es sich bei der “Trinitätspassage” aus 1. Johannes 5,2-8 um die einzige Stelle aus der die Trinität deutlich hervorgeht. Zwar lässt sich die Trinität – wenn der Wille dazu vorhanden ist – aus der Bibel herleiten, doch dazu müssten voneinander abgekapselte Stellen zusammengesucht werden. Darüber hinaus gibt es auch Stellen, die gegen eine Trinität sprechen, wodurch ein Durcheinander entsteht, das schwer zu überblicken ist. Dies ist auch der Grund, warum einige Christen die Trinität ablehnen. Wäre sie so offensichtlich, wie einige Evangelikale dies behaupten, würde diese Doktrin von der gesamten Christenheit akzeptiert werden und würde nicht immer  wieder ausdiskutiert werden. Die Apostelgeschichte 2,47 betrifft die wichtige Frage, wann Christen gerettet sind: Sind sie sofort gerettet, wenn sie beginnen an den christlichen Gott zu glauben oder können sie im Laufe ihres Leben vom Glauben abfallen, wodurch sie erst nachdem Tod wirklich gerettet sein würden? Und selbst die Aussagen von Jesus Christus, der für die meisten Christen Gott selber ist, sind nicht genau überliefert. Die oben aufgeführten Beispiele beweisen, dass die Unterschiede durchaus signifikant sind und nicht ignoriert werden können. Jeder Christ, der die Bibel für das Wort Gottes hält sollte sich ermutigt fühlen, sich weiter mit diesem spannenden Thema auseinanderzusetzen, denn die in diesem Artikel aufgeführten Beispiele bzw. Passagen sind nicht die einzigen, die sich unterscheiden. Es gibt noch viel mehr Stellen, die die selben Probleme aufweisen. Wenn ihr euch in dieses Thema einlesen wollt, kann ich euch zwei Bücher empfehlen: 1. “Misquoting Jesus. The Story Behind Who Changed the Bible and Why” von Bart D. Ehrman und “The Kind James Only Controversy. Can You Trust Modern Translations” vom evangelikalen Apologeten James R. White. Ferner sollten die Fußnoten in der eigenen Bibel beachtet werden. So hat die Elberfelder viele Fußnoten, die auf andere Lesarten und Abweichungen hinweisen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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