Wie das Missionswerk Bruderhand das Coronavirus für seine Zwecke missbraucht

Woran erkennt man einen erfahrenen und abgebrühten Evangelisten bzw. Missionar? Er weiß genau, dass verängstigte, verunsicherte, verzweifelte und leidende Menschen am besten zu evangelisieren sind. Und dank dem Coronavirus, der zu Panik und Verunsicherung in der Bevölkerung geführt hat, ist die Zeit der Jesusverkäufer vom fundamentalistisch-evangelikalen Missionswerk “Bruderhand” gekommen. So haben sie eine achtseitige Broschüre namens “Covid-19. Müssen wir besorgt sein? Impulse aus biblischer Perspektive” veröffentlicht, in der ihr Autor Manfred Röseler ganz nach Paulus klug und hinterlistig die Verunsicherung, Angst und Panik der Bevölkerung ausnutzt, um diese zu evangelisieren:

  • “Denn obwohl ich allen gegenüber frei bin, habe ich mich allen zum Sklaven gemacht, damit ich so viele wie möglich gewinne. Und ich bin den Juden wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne; denen, die unter Gesetz sind, wie einer unter Gesetz – obwohl ich selbst nicht unter Gesetz bin -, damit ich die, welche unter Gesetz sind, gewinne; denen, die ohne Gesetz sind, wie einer ohne Gesetz – obwohl ich nicht ohne Gesetz vor Gott bin, sondern unter dem Gesetz Christi -, damit ich die, welche ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.” (1. Korinther 9,19-22)

Die Broschüre

Auf den ersten zwei Seiten informiert Röseler über das Virus und schildert kurz, wie sich das Virus ausbreitet, wo es ursprünglich ausgebrochen ist und wie man sich vor ihm schützen kann. Nun ist es doch gut, wenn Menschen über das Virus informiert werden, oder?

Doch Manfred Röseler ist ein waschechter Evangelist, dem es nicht um die uneigennützige Aufklärung über das Virus geht, sondern ums Evangelisieren. Und so beginnt er direkt im Anschluss an die zweiseitige Aufklärung über das Virus mit seinem eigentlichen Vorhaben:

Als Erstes lockt er die Menschen mit Hoffnung. So zitiert er zunächst aus Psalm 91,5-7, indem es hießt, dass der Gläubige sich nicht fürchten soll, weil Gott ihn jederzeit vor dem Unglück – wie der Pest – schützen wird:

  • “Du brauchst keine Angst zu haben vor den Gefahren der Nacht oder den heimtückischen Angriffen bei Tag. Selbst wenn die Pest im Dunkeln zuschlägt und am hellen Tag das Fieber wütet, musst du dich doch nicht fürchten. Wenn tausend neben dir tot umfallen, ja, wenn zehntausend um dich herum sterben – dich selbst trifft es nicht!” (Psalm 91,5-7)

Anschließend erwähnt er, dass die Israeliten von Gott verschont wurden, weil sie sich an Gottes Anweisungen hielten, als Gott die Erstgeborenen in Ägypten ermordete:

  • “Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter. Ich bin der HERR. Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht” (2. Mose 12,12-13)

Röseler will den verängstigenden Menschen einreden, dass Jesus sie vor dem Virus beschützen wird. Ist diese Hoffnung begründet? Nein, denn wir sehen, dass auch Christen krank werden und leiden. Teilweise gibt Röseler das in seiner Broschüre sogar zu und relativiert sein Versprechen, dass Gott Christen beschützt:

  • “Mit großer Sicherheit können wir sagen, dass Gott Menschen, die ihm vertrauen, bewahren und durch die größten Probleme ihres Lebens hindurchtragen kann. Doch selbst dann, wenn Krankheit, Leid oder der Tod auf sie wartet, wissen sie genau, dass sie in Gott geborgen sind. Sie vertrauen auf Gottes Führung und darauf, dass ihnen alle Dinge zum Besten dienen.”

In anderen Worten: Gott wird dich beschützen. Falls du doch krank wirst, musst du glauben, dass es Gottes Plan war. Röseler geht hier sehr klug vor, weil er Gott komplett aus der Schusslinie nimmt: Entweder wird der Gläubige von Gott beschützt und bleibt gesund oder der Gläubige infiziert sich, was ihm aber auch zum Besten dienen werde. So kann Gott gar nicht verlieren.

Komischerweise haben seine Glaubensbrüder nicht so viel Vertrauen in ihren Herrn und Heiland Jesus Christus. So schließen aufgrund der Epidemie u.a. auch fundamentalistische bzw. evangelikale Gemeinden. Würde Gott seine Kinder beim Gottesdienst und in der Gebetsstunde nicht beschützen? Haben die Gläubigen so wenig Vertrauen in Jesus? Ausführlicher habe ich davon im Artikel “Das Coronavirus ist größer als Jesus!” berichtet.

Als Zweites macht Röseler auf einen Virus aufmerksam, der – laut ihm – viel schlimmer als der Coronavirus ist –  die Sünde. Spätestens jetzt lässt der Evangelist die Maske fallen. Die eigentliche Absicht wird deutlich: Menschen sollen für Jesus gewonnen werden. So versucht Röseler dem Leser zunächst einzureden, dass die Sünde viel schlimmer als das Coronavirus sei und dass der Mensch von diesem “Virus” befallen sei:

  • “Doch es gibt ein „Virus“, das viel heimtückischer ist. Das schlimmste „Virus“, das es gibt, tritt ebenfalls manchmal sehr unscheinbar auf. Viele beachten es nicht. Es ist die „Sünde”.

Daraufhin schürt er bei den Menschen, die sowieso aufgrund der Epidemie verängstigt sind, noch mehr Angst, indem er den Begriff der “Quarantäne”, den er bei den Maßnahmen gegen das Virus bereits erwähnt hat, aufgreift und für seine evangelistischen Zwecke missbraucht:

  • “Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten aufgrund des Coronavirus nicht nur für zwei oder drei Wochen in Quarantäne bleiben, sondern für den Rest Ihres Lebens! Dies wäre natürlich ein schrecklicher Gedanke. Das Virus der Sünde aber hat derart tragische Konsequenzen, dass es den Menschen nicht nur für ein paar Wochen oder Monate unter „Quarantäne“ stellt, sondern für alle Ewigkeit. Dies bedeutet, dass der Mensch für immer aus der Gegenwart Gottes und damit aus dem Himmel ausgeschlossen ist. Auf ihn wartet nach seinem Tod der Verbleib an einem schrecklichen Ort der Gottesferne.”

Zwar erwähnt Röseler nicht direkt und offen die Hölle, doch genau sie ist mit der “ewigen Quarantäne” gemeint. Hierbei wird die Todesangst einiger Menschen ausgenutzt, indem implizit gesagt wird, dass man nach dem Tod als Ungläubiger in der Hölle ewig leiden wird. Diese Taktik ist besonders perfide, wenn in den Medien zeitgleich berichtet wird, dass in Italien an einem Tag über 200 Menschen am Virus verstorben sind.

Abschließend offenbart Manfred Röseler ein Heilmittel gegen das vermeintliche Virus der Sünde: Jesus Christus, der angeblich für den Sünder gestorben ist und womit Gott dem Sünder die Sünde verziehen habe.

Ein Meister seines Handwerks

Herr Röseler ist ein Meister seines Handwerks. Er weiß, wie man Gelegenheiten ausnutzt. Und so missbraucht er auch die aktuelle Epidemie, um die Menschen für Jesus anzuwerben. Hierbei nutzt er klug die Ängste der Menschen aus, um ihnen einzureden, dass sie in Wahrheit an einem viel schlimmeren Virus erkrankt seien als dem Coronavirus – der Sünde. Der echte Virus, über den Röseler angeblich aufklären möchte, ist für ihn lediglich ein Deckmantel. Gerade bei kranken, verängstigten und leidenden Menschen ist diese bösartige Evangelisationstaktik sehr effektiv. Aus diesem Grund: Lasst euch keine Angst machen, denn der echte Virus ist nicht die Sünde, sondern der Coronavirus, der wissenschaftlich nachgewiesen werden kann.

2 Gedanken zu „Wie das Missionswerk Bruderhand das Coronavirus für seine Zwecke missbraucht“

  1. Lieber Abgefallener, ist es Dir noch leicht wider den Sichel zu lecken? Eine jede Pflanze, welche nicht der himmlische Vater gepflanzt hat wird ausgerottet. Aber tue Buße vor Gott auch für deine Bibelkritik in Demut und Gehorsam gegenüber Gott, so bist du doch einer der von Gott gepflanzt wurde.
    Dann wirst du nicht von Begeisterung getrieben, sondern hast persönliche Beziehung mit Jesus. Und Verleumde das Volk CHristi nicht als Feige. Ich versichere Dir, wenn es nicht unter “drakonischen” Strafen verboten wäre, so wären wir in Scharen in den Versammlungsräumen! Übrigens viele versammeln sich in Gruppen doch!

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