Das Coronavirus ist größer als Jesus!

Nun ist das Coronavirus in Deutschland angekommen: Desinfektionsmittel sind ausverkauft, Bundesländer schließen Schulen und erste Menschen sterben am Virus. Auch die deutsche Christenheit ist vom Coronavirus, dem Gottesdienste, Bibelstunden und Gebetskreise zum Opfer gefallen sind, nicht verschont geblieben. Hierbei fällt der Betrieb nicht nur in “lauwarmen” bzw. liberalen Gemeinden aus, sondern auch in fundamentalistischen bzw. evangelikalen Kirchen. So z.B. in den fundamentalistischen Bremer Gemeinden wie der St. Martini, der Paulus-Gemeinde und der charismatischen Hoop Kirche. Vorab: Der Entschluss, Gottesdienste etc. zu unterbinden, war richtig und gut. Nichtsdestotrotz kam mir die Frage auf, warum sie Angst haben?

Ganz klar: Das Objekt der Furcht ist das Virus. Dieses ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. In Italien sind innerhalb eines Tages 250 Menschen am Coronavirus gestorben. Länder riegeln ganze Städte und Regionen ab, verhängen Einreiseverbote und Krankenhäuser stellen sich auf eine Masseninfketion ein. Und dennoch: Wovor haben Christen Angst? Wird Gott seine Kinder nicht beschützen, wenn diese sich versammeln, um ihren Vater zu ehren und anzubeten? Wird Gott seine Kinder nicht heilen, wenn diese leiden? Ist die Angst vor dem Virus größer, als der Wille Jesus zu feiern und zu ehren? Das Vertrauen in Gott scheint nicht sehr groß zu sein, wenn man Angst vor Corona hat. Gott hat in der Bibel so einige Wunder vollbracht. In den biblischen Erzählungen hat er Menschen beschützt und geheilt. Wieso kann er das nicht auch heute machen? Ist Gott nicht ein lebender Gott, der immer noch handelt und im Regiment sitzt? Die Einstellung der kirchlichen Veranstaltungen erzeugt den Eindruck, dass selbst die Strenggläubigen nicht mehr so viel Vertrauen in ihren Gott haben.

Anstatt auf Gott zu vertrauen, vertrauen die Fundamentalisten auf Menschen. So ist nicht Gott bzw. Jesus derjenige, der die Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion eingeleitet hat. Es waren Menschen. Sehr wahrscheinlich glauben viele von ihnen weder an die Bibel als Gottes Wort noch an Jesus. Gemeinden wie die St. Martini, die Paulus-Gemeinde und die Hoop-Gemeinde befolgen ebendiese menschlichen Maßnahmen. Sie vertrauen nicht darauf, dass Gott die Gottesdienstbesucher schützt. Sie vertrauen auf Menschenwerk. Es sind einfache Menschen, die die Quarantäne einhalten, um ihre Mitmenschen nicht anzustecken. Es sind Ärzte und Pflegekräfte, die ihre Gesundheit riskieren, um Infizierte zu heilen und zu pflegen. Letztendlich sind es Forscher, die Medikamente gegen das Coronavirus suchen, damit Menschen gerettet werden und ein neuer Ausbruch unterbunden werden kann. Es scheint, dass christliche Fundamentalisten vielmehr auf die Fähigkeiten und Maßnahmen dieser Menschen vertrauen. Und das ist auch gut so! Denn das Coronavirus ist größer als Jesus Christus und ich glaube, dass viele fundamentale Gläubige – ohne es gegenüber sich und anderen zuzugeben – ebenso denken und fühlen.

Abschließend möchte ich betonen, dass ich Gläubige nicht dazu aufrufe, in diesen risikoreichen Zeiten Gemeindeveranstaltungen jeglicher Art zu besuchen. Ich begrüße die Maßnahme der oben genannten Kirchen und hoffe, dass wir – unabhängig von unseren Glaubensansichten – vom Virus verschont bleiben.

Nachtrag: Als dieser Artikel verfasst und veröffentlicht wurde, waren die Kirchen noch nicht gezwungen, alle Veranstaltungen abzusagen. Die Gemeinden, die in diesem Artikel erwähnt wurden, haben zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels ihre Veranstaltungen freiwillig abgesagt.

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