Wurde Jesus in der Wüste vom Satan versucht? (Matthäus, Markus, Lukas vs. Johannes)

Als ich vor Kurzem mit einer Christin sprach, mit der ich befreundet war, als ich selbst noch an Jesus glaubte, sagte sie, dass ich – wie auch Jesus – vom Satan versucht werde. Sie fragte mich, ob ich die Stelle kenne, als Jesus 40 Tage in der Wüste ist und Satan ihn versucht und lockt? Natürlich kenne ich diese Stelle. Diese Stelle ermuntert viele Christen zum “Durchhalten” gegen Satan, der sie angeblich versuchen würde. Dabei ist Jesus für sie das Vorbild, das den Versuchungen widerstanden hat und sich nicht beirren lassen hat. Doch ging Jesus wirklich 40 Tage lang in die Wüste, wo er vom Satan versucht wurde? Eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dieser Frage offenbart einen Widerspruch zwischen den synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas) und Johannes.

Die Taufe Jesu kommt in allen vier Evangelien vor: Matthäus 3, 1 – 4,1, Markus 1, 1-13; Lukas 3, 1-21/ 4,1 und Johannes 1, 19-36. Da die Stellen allesamt sehr lang sind, werde ich sie hier nicht zitieren. Es ist auffällig, dass alle Evangelien die Geschichte abweichend wiedergeben. Nichtsdestotrotz sind sich die synoptischen Evangelien sehr ähnlich. Johannes weicht jedoch sehr stark ab: Im Johannes-Evangelium wird nicht berichtet, dass Jesus 40 Tage in der Wüste war. Mehr noch: In Johannes wird ausdrücklich erwähnt, dass Jesus nicht in der Wüste gewesen ist. Um diesen Widerspruch erkennen und fassen zu können, muss eine zweite entscheidende Abweichung erwähnt werden: Im Gegensatz zu Matthäus, Markus und Lukas wird im Johannes-Evangelium die Taufe nicht explizit erwähnt.

Die Geschichte um die Taufe und die Wüstenwanderung beginnt in den ersten drei Evangelien mit einer Vorstellung vom Johannes dem Täufer (Matthäus 3, 1-12; Markus 1, 1-8; Lukas 3, 1-19). Anschließend wird über die Taufe berichtet und erwähnt, dass Jesus sofort nach der Taufe in die Wüste gegangen ist (Matthäus 3,13-4,1; Markus 1, 9-13; Lukas 3, 22/ 4,1). In Johannes wird zunächst – ähnlich wie bei den synoptischen Evangelien – Johannes der Täufer vorgestellt (Johannes 1, 19-28). Am nächsten Tag trifft Johannes Jesus und gibt ein Zeugnis über ihn ab (Johannes 1, 29-34). Anschließend berichtet das Johannes-Evangelium, dass Jesus – einen Tag nachdem er Johannes getroffen hatte – wieder von Johannes an der Taufstelle gesehen wurde (Johannes 1, 35-36). Gerade der letzte Punkt kann einem Kopfschmerzen bereiten. War Jesus – laut dem Johannes-Evangelium – 40 Tage in der Wüste oder nicht? Zwar wird in Johannes nicht explizit erwähnt, dass Jesus getauft wurde, doch ist es anzunehmen, dass dies geschehen sein muss, als Jesus Johannes trifft. Demnach ist Jesus – laut Johannes –  nach seiner Taufe nicht in die Wüste gegangen, sondern ist am nächsten Tag von Johannes dem Täufer wieder an derselben Taufstelle gesehen worden. Dies steht im Widerspruch zu den drei synoptischen Evangelien, da sie berichten, dass Jesus nach seiner Taufe sofort in die Wüste gegangen ist (Matthäus 4,1; Markus 1,12; Lukas 4,1). Besonders deutlich wird dies in Markus 1,12, wo es heißt, dass Jesus “sogleich” in die Wüste getrieben wurde.

Die christliche Seite sieht hierin natürlich keinen Widerspruch. Hierzu möchte ich aus dem Buch “Widersprüche in der Bibel?”, das von Stefan Drüeke und Arend Remmers veröffentlicht wurde, zitieren: “Johannes dagegen berichtet nichts über die eigentliche Taufhandlung, sondern macht in Kapitel 1,19-28 deutlich, dass diese Taufe des Herren Jesus schon längst vorher stattgefunden hatte, bevor Johannes der Täufer sich mit den Juden aus Jerusalem unterredete. Johannes der Täufer war wahrscheinlich während der 40 Tage, als Jesus Christus in der Wüste geprüft wurde, in Bethanien jenseits des Jordan geblieben, um die bußfertigen Menschen aus dem Volk Israel zu taufen, die zu ihm herauskamen. Die Juden in Jerusalem hatten von seinen Taufhandlungen gehört, deshalb wurden Priester zu Johannes gesandt, um zu untersuchen, wer dieser Täufer überhaupt ist (Johannes 1,19).” (S. 131)

Kurz gesagt: Drüeke und Remmers versuchen den Widerspruch aufzulösen, indem sie behaupten, dass Jesus getauft wurde, bevor Johannes der Täufer vorgestellt wird (Johannes 1,19-28). Demnach trifft Johannes der Täufer Jesus ein zweites Mal, nachdem Jesus von seiner Wüstenwanderung zurückgekehrt war.

Die Ansicht von Drüeke und Remmers ist problematisch und lässt sich bei einer genaueren Betrachtung der Evangelien widerlegen.

Zunächst lässt sich am Text überhaupt nicht ableiten, dass die Taufe von Jesus vor der Textstelle geschieht, die von den beiden erwähnten Autoren zitiert wird (Johannes 1,19-28). Dies ist leider – wie wir es bereits von den Matthäus-Prophetien kennen und wie es auch im Buch von Drüeke und Remmers üblich ist – eine Behauptung, die nicht durch Belege untermauert werden kann. Man versucht der Textstelle Aussagen unterzuschieben, die dort nicht zu finden sind.

Vergleichen wir die vier Evangelien, wird deutlich, dass die Taufgeschichte um Jesus im Johannes-Evangelium einen identischen Aufbau hat wie in den anderen drei Evangelien:

1. Zunächst wird in allen Evangelien Johannes der Täufer sehr ähnlich vorgestellt. Es kommt das selbe Zitat aus Jesaja, es werden die Pharisäer und die Sandalen erwähnt:

Matthäus, Markus, LukasJohannes
Das Jesaja-Zitat:

- Denn dieser ist der, von dem durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: "Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade!" (Matthäus 3,3)

- Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes; wie in dem Propheten Jesaja geschrieben steht: "Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird." "Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade!" (Markus 1, 1-3)


- Und er kam in die ganze Landschaft am Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden; wie geschrieben steht im Buch der Worte Jesajas, des Propheten: "Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade! Jedes Tal wird ausgefüllt und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Krumme wird zum geraden Weg und die holperigen zu ebenen Wegen werden; und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen." (Lukas 3, 3-6)
Das Jesaja-Zitat:





- Er [Anm.: Johannes der Täufer] sprach: Ich bin die "Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn", wie Jesaja, der Prophet, gesagt hat (Johannes 1, 23)
Die Pharisäer:


- Als er aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? (Matthäus 1, 7)
Die Pharisäer:

- Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten, damit sie ihn fragen sollten: Wer bist du? (Johannes 1, 19)
-  Und sie [Anm.: Die Priester und Leviten] waren abgesandt von den Pharisäern. (Johannes 1, 24)
Die Sandalen:

- Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen (Matthäus 3,11)

- Und er predigte und sagte: Nach mir kommt der, der stärker ist als ich; ich bin nicht würdig, ihm gebückt den Riemen seiner Sandalen zu lösen. (Markus 1,7)

- [...] , antwortete Johannes allen und sprach: Ich zwar taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer als ich, und ich bin nicht würdig, ihm den Riemen seiner Sandalen zu lösen; er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen. (Lukas 3, 16)
Die Sandalen:





- Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt, vor dem ich nicht würdig bin, den Riemen seiner Sandale zu lösen. (Johannes 1, 26-27)

2. Dann kommt es zur Taufe: Jesus kommt zu Johannes, wird getauft, der Heilige Geist kommt als Taube auf Jesus und Jesus wird als der Sohn Gottes bezeugt:

Matthäus, Markus, LukasJohannes
Jesus kommt zu Johannes:

- Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. (Matthäus 3,13)

- Und es geschah in jenen Tagen: Jesus kam von Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes im Jordan getauft. (Markus 1, 9)
Jesus kommt zu Johannes:


- Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! (Johannes 1, 29)
Der Heilige Geist als Taube:

- Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden ihm geöffnet, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und auf sich kommen. (Matthäus 3,16)

- Und sobald er aus dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herabfahren. (Markus 1, 10)

- und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herabstieg [...] (Lukas 3,22)
Der Heilige Geist als Taube:





- Und Johannes bezeugte und sprach: Ich schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabfahren, und er blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft. (Johannes 1, 32-33)
Jesus als Gottes Sohn:


- Und siehe, eine Stimme kommt aus den Himmeln, welche spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. (Matthäus 3, 17)

- Und eine Stimme kam aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. (Markus 1, 11)

- [...] und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. (Lukas 3, 22)
Jesus als Gottes Sohn:



- Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft. Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist (Johannes 1, 33-34)

3. Abschließend wird geschildert, was Jesus nach der Taufe tat. In Matthäus, Markus und Lukas läuft Jesus in die Wüste. In Johannes kehrt Jesus am Tag nach der Taufe wieder zur Taufstelle zurück und wird von Johannes dem Täufer gesehen:

Matthäus, Markus, LukasJohannes
Jesus geht in die Wüste:

- Dann wurde Jesus von dem Geist in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu werden; und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn schließlich. (Matthäus 4, 1-2)

- Und sogleich treibt ihn der Geist in die Wüste hinaus. Und er war vierzig Tage in der Wüste und wurde von dem Satan versucht; und er war unter den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. (Markus 1, 12-13)

- Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde durch den Geist in der Wüste vierzig Tage umhergeführt (Lukas 4, 1)
Jesus kommt zur Taufstelle zurück:



- Am folgenden Tag [Anm.: Am Tag nach der Taufe] stand Johannes wieder da und zwei von seinen Jüngern; und hinblickend auf Jesus, der vorbeiging, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes! (Johannes 1, 35-36)

Das Johannes-Evangelium weist bei der Taufpassage die gleiche Erzählstruktur auf wie die anderen drei Evangelien. Auch der Inhalt ist sehr ähnlich: Es kommt das Zitat aus Jesaja vor, die Pharisäer werden erwähnt, die Sandalen sind vorhanden, der Heilige Geist kommt wie eine Taube auf Jesus geflogen und abschließend erfährt der Leser, was Jesus nach seiner Taufe tat. Zwar erwähnt Johannes die Taufe – wie bereits geschrieben – nicht explizit, aber die Struktur und der Inhalt der Passage aus Johannes machen deutlich, dass es sich hierbei um die Tauferzählung handelt, die in den drei synoptischen Evangelien erzählt wird. Warum sollte der Autor des Johannes-Evangeliums eine Geschichte erzählen, die den Geschichten, die von der Taufe Jesu handeln, sehr ähnlich bzw. nahezu identisch ist und dennoch – wie Drüeke und Remmers schreiben – über einen ganz anderen Vorfall berichtet, die nichts mit den Taufgeschichten aus den synoptischen Evangelien zu tun hat? Es ist offensichtlich, dass Johannes ebenfalls die Taufe von Jesus schildert. Vor allem, wenn bedacht wird, dass es im Johannes-Evangelium sonst keine einzige Stelle gibt, die die Taufe von Jesus auch nur im Ansatz schildert. Diese Stelle, die wir heute behandeln, ist die einzige Stelle, die Aspekte aus den Taufgeschichten der anderen Evangelien aufgreift und sie in der selben Chronologie wie in Matthäus, Markus und Lukas wiedergibt. Demnach muss die Taufe zwischen dem 31. und 32. Vers des ersten Kapitels des Johannes-Evangeliums stattgefunden haben. So erkennt Johannes Jesus im 31. Vers. Im anschließenden 32. Vers bezeugt Johannes, dass er den Heiligen Geist auf Jesus herabkommen sah. Die synoptischen Evangelien berichten ebenfalls, dass Johannes zunächst Jesus erkannte, ihn danach taufte und anschließend kam der Heilige Geist auf Jesus.  Warum in Johannes der eigentliche Akt der Taufe nicht erwähnt wird, lässt sich nur vermuten. Vielleicht wusste der Autor vom Johannes-Evangelium, dass seine Leser wissen würden, worum es geht. Schließlich war sein Evangelium das letzte, das geschrieben wurde. Demnach war es für den Autor nicht nötig zu erwähnen, dass soeben die Taufe von Jesus Christus stattfand. Außerdem lassen auch andere Evangelien einige Einzelheiten aus. Lukas erwähnt z.b. nicht die Ankunft von Jesus an der Taufstelle. Markus erwähnt nicht, dass Johannes der Täufer – wie es im Matthäus-Evangelium geschrieben steht – Jesus zunächst nicht taufen wollte. Nichtsdestotrotz ist es die selbe Geschichte, die in den verschiedenen Evangelien erzählt wird. Über die Abweichungen lässt sich nur spekulieren. Eine mögliche Erklärung wäre, dass die Evangelien zunächst mündlich überliefert worden sind. Doch dies ist nicht das Thema dieses Artikels.

Es bleibt noch eine letzte Frage: Johannes der Täufer scheint, als Jesus zu ihm kommt, zu wissen, wer Jesus ist. So heißt es: “Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!” (Johannes 1, 29). Wusste Johannes, wer Jesus ist, weil er Jesus bereits getauft hatte und sah, wie der Heilige Geist auf Jesus niederging? Dies würde Drüeke und Remmers recht geben. Um dieses Problem zu lösen, reicht es aus, wenn man in das Matthäus-Evangelium schaut: “Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen . Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden. Und du kommst zu mir?” (Matthäus 3, 13-14) In Matthäus erkennt Johannes der Täufer, dass Jesus der Messias ist, ohne vorher davon erfahren zu haben. Ironischerweise bestätigen dies Drüeke und Remmers in ihrem Buch “Widersprüche in der Bibel?”. So schreiben sie auf Seite 129, dass Johannes der Täufer schon vorab wusste, dass Jesus der Messias ist. Als Beweis führen sie an, dass im Lukas-Evangelium Johannes der Täufer schon im Mutterleib den Heiligen Geist hatte (Lukas 1, 15). Außerdem beginnt Johannes der Täufer noch im Leib seiner Mutter zu hüpfen, als er die Stimme von der Mutter von Jesus hört (Lukas 1, 41) , die zu dem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich schon schwanger war und den Messias in ihrem Bauch trug.

Ziehen wir nun das Fazit. Wir haben gesehen, dass die Geschichte aus dem Johannes-Evangelium die gleiche Struktur hat, wie die Taufgeschichte in den synoptischen Evangelien. Auch der Inhalt ähnelt sich sehr stark. Ferner wäre diese Johannes-Passage die einzige Passage in Johannes, die die Taufe beschreiben würde. Es gibt keine weitere Passage, die sonst die Taufe beschreiben könnte. Des Weiteren ist es nicht unüblich, dass Johannes den eigentlichen Akt der Taufe nicht erwähnt. Auch andere Evangelien lassen einige Details aus. Darüber hinaus weiß Johannes der Täufer auch im Matthäus-Evangelium vorab, dass vor ihm der Messias steht. Somit ist es auch nicht überraschend, dass Johannes der Täufer im Johannes-Evangelium Jesus als den Messias erkennt, noch bevor er den Heiligen Geist auf Jesus herabschweben sieht. Somit ist es offensichtlich, dass es sich hierbei um einen Widerspruch handelt: In den drei synoptischen Evangelien geht Jesus nach der Taufe direkt für 40 Tage in die Wüste. Im Johannes-Evangelium geht Jesus nach der Taufe nicht in die Wüste, sondern taucht am nächsten Tag wieder an der Taufstelle vom Johannes dem Täufer auf. Auch in den folgenden Tagen geht Jesus in Johannes nicht in die Wüste, sondern sammelt weitere Jünger und erscheint auf der Hochzeit zu Kana. Die 40-tätige Wüstenwanderung und die dortige Versuchung vom Satan werden im Johannes-Evangelium gar nicht erwähnt und konnten – aufgrund der oben beschriebenen Sachverhalte – in Johannes zeitlich gar nicht stattfinden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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